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In welchen Fällen kann ich Schadensersatz verlangen?

Ist der Reisende wegen eines Reisemangels zur Minderung des Reisepreises oder zur Kündigung der Reise/ des Reisevertrags berechtigt (die Voraussetzungen dafür müssen also vorliegen!), kann er daneben noch Schadensersatz für die ihm wegen des Mangels entstandenen finanziellen Nachteile verlangen, wenn der Reiseveranstalter den Mangel schuldhaft, d.h. vorsätzlich oder fahrlässig verursacht hat. Dabei hat der Veranstalter auch für das Verschulden seiner Erfüllungsgehilfen einzustehen. Darunter versteht man alle Personen, deren er sich bedient hat, um den Reisevertrag zu erfüllen, also seine Betriebsangehörigen aber auch Partnerunternehmen, von denen er einzelne Reiseleistungen hat erbringen lassen (z.B. Busunternehmen, Hotelbetriebe).
Wichtig ist dabei, dass im Streitfall nicht der Reisende das Verschulden des Veranstalters nachweisen sondern umgekehrt dieser den „Entlastungsbeweis“ führen muss. Ein Verschulden des Veranstalters kann insbesondere in fehlerhafter Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Reise oder unzureichender Information des Reisenden begründet sein.
Kein Verschulden liegt vor bei höherer Gewalt, z.B. Naturkatastrophen oder unvorhersehbaren Streiks oder Unruhen und überhaupt dann, wenn der Schaden auf Umständen beruht, die nicht im Einwirkungsbereich des Veranstalters liegen (z.B. Raubüberfall auf Reisende, Tierangriffe), sondern Teil des allgemeinen Lebensrisikos sind.

Beispiele für Verschulden des Reiseveranstalters:
  • Überbuchungen
  • Falsche Angaben im Reiseprospekt
  • Fehlende Hinweise auf gesundheitliche oder gesundheitspolizeiliche
  • Erfordernisse
  • Fehlende Hinweise auf Pass- und Visabestimmungen
  • Unterlassene Information über geänderte Abflugzeiten.
  • Beispiele für Schäden:
  • Bei Erkrankungen oder Unfällen Arzt- und Krankenhauskosten,
  • Rücktransportkosten.
  • Bei verspäteter Rückkehr entgangene Einkünfte
  • Bei Gepäckverlust Wiederbeschaffungskosten
  • Mehrpreis einer anderen Unterkunft bei Überbuchung
  • ...
Wird die Reise infolge eines vom Veranstalter verschuldeten Mangels ganz vereitelt, also gar nicht erst angetreten oder erheblich beeinträchtigt, kann der Reisende auch eine angemessene finanzielle Entschädigung für die nutzlos aufgewendete („vertane“) Urlaubszeit verlangen. Von einer erheblichen Beeinträchtigung kann man im allgemeinen ausgehen, wenn der Reisemangel so gravierend ist, dass eine Minderung des Reisepreises von mindestens 50% verlangt werden kann. Entscheidend kommt es auch darauf an, ob infolge des Mangels der Erholungszweck des Urlaubs nicht erreicht werden kann (z.B. bei Badeverbot am Strand bei einem Strand- und Badeurlaub). Die Gerichte entscheiden uneinheitlich, wenn ein Arbeitnehmer bei Vereitelung einer Reise seinen Urlaub gar nicht antritt sondern verschiebt. Andererseits ist klar, dass Schadensersatz wegen „vertaner“ Urlaubszeit nicht nur Berufstätigen, sondern auch Rentnern, Hausfrauen und Schülern zustehen kann, nicht aber Kleinkindern, weil diese noch keinen Urlaubsgenuss empfinden können. Wird die Urlaubsreise abgebrochen, so ist es oft problematisch, ob die Gesamtzeit des vorgesehenen Urlaubs „vertan“ ist oder nur der Teil, der die abgebrochene Reise betrifft und der Reisende die Möglichkeit hat, die restliche Urlaubszeit unter Erholungsgesichtspunkten sinnvoll zu verwenden. Tritt der Reisende eine Ersatzreise an, kann nach der Rechtsprechung des BGH dennoch Entschädigung verlangt werden, u.U. sind auch die Mehrkosten der Ersatzreise Teil des - materiellen - Schadensersatzanspruchs. Bei der Höhe der Entschädigung sind, weil das Gesetz von einer "angemessenen" Entschädigung spricht, alle Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen, also vor allem die Höhe des Reisepreises, die Schwere der Beeinträchtigung des Erholungszwecks und der Grad des Verschuldens des Veranstalters. Kein Kriterium ist dagegen das Einkommen des Reisenden. Manche Gerichte wendeten Tagessatzsysteme an, die aber nach der neueren Rechtsprechung des BGH nicht mehr verwendbar sein dürften.

Wie bei allen Schadensersatzansprüchen führt auch hier ein etwaiges Mitverschulden des Reisenden am Eintritt des Mangels und/oder Schadens zu einer Reduzierung des Anspruchs auf Schadensersatz. Ein Mitverschulden kann etwa darin liegen, dass der Reisende eine Krankheit, die der Veranstalter verschuldet hat, nicht rechtzeitig behandeln lässt und ihre Auswirkungen dadurch verschlimmert.
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